Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Goethes Italienische Reise
Ausstellung

Sehnsucht – nach Meeresbrise und Sommernächten, nach Zitronen (süßen), nach klassischer Architektur und sagenumwobenen Gemälden, nach dem Nichtstun und Abenteuern. Sehnsucht nach Italien. Diese Sehnsucht, sie ist Stoff für Geschichten – ob sie nun aus Hollywood kommen oder von der Tante nebenan, die noch immer in Erinnerungen an ihre Jugend schwelgt. 
Sehnsucht – nach Meeresbrise und Sommernächten, nach Zitronen (süßen), nach klassischer Architektur und sagenumwobenen Gemälden, nach dem Nichtstun und Abenteuern. Sehnsucht nach Italien. Diese Sehnsucht, sie ist Stoff für Geschichten – ob sie nun aus Hollywood kommen oder von der Tante nebenan, die noch immer in Erinnerungen an ihre Jugend schwelgt. 
 
Die Sehnsucht nach Italien scheint seit jeher Faszination auf uns alle auszuüben. Für einen aber ganz besonders: Johann Wolfgang von Goethe. In seinem Buch „Italienische Reise“ erzählt der »Dichterfürst«, wie er gerne genannt wird (und der in Wahrheit ein ziemlich wilder Hund war) in Form eines Reisetagebuches von seinem Italienaufenthalt in den Jahren 1786–1788. Von Karlsbad in Deutschland aus beginnend über Nordtirol und Südtirol, gelangte er zu seinen ersten Reisezielen am Gardasee. Die Tour setzte sich an den verschiedensten Orten und mit den verschiedensten Reisegenossen fort – Jakob Philipp Hackert, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein oder auch Christoph Heinrich Kniep sind nur einige davon.
 
Das Architekturbüro ma.lo (Eva López, Markus Malin) aus Innsbruck wurde 2019 zu einem Wettbewerb zur Ausstellungsgestaltung des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum geladen und betraute uns mit der Gestaltung der Ausstellungsgrafik. Die Anforderung: »Irgendwie« sollten an einer gut 100 Meter langen Wand, die sich durch die gesamte Ausstellung und über zwei Stockwerke zieht, Auszüge des Texts der Italienischen Reise Goethes angebracht werden. – Unser locker ins Spiel geworfener Lösungsvorschlag: Nicht bloß Auszüge, sondern der gesamte Text gehört auf die Wand. Immerhin 400 Seiten.
 
So entstand als eines der zentralen Ausstellungsexponate eine begehbare Textskulptur, die den Text der Goethe-Reise auf fast 100 Metern Länge den Besucher*innen in Auszügen inszeniert, was kein einfaches gestalterisches und logistisches Unterfangen ist und was in Verbindung mit den genau gesetzten architektonischen Raumfolgen und dem spannenden Farbkonzept zu vielen Bild-/Textbezügen führt. Gemälde, Fotografien, künstlerische Arbeiten und Ausstellungsobjekte gehen dabei eine Symbiose mit der Literatur ein, die immer Mittelpunkt steht – sie visualisieren das Geschriebene und nehmen den Besucher selbst mit auf eine Reise. Zu Beginn noch düster und geheimnisvoll, wird diese mit jedem Abschnitt bunter und lebendiger. – Und langsam taucht man dabei ein in diese wunderbar literarische Welt von Goethe (und nimmt dabei – durchaus gewollt – ein Stück Sehnsucht mit nach Hause, um schließlich tagträumend und in den Himmel blickend die nächste Reise in den Süden zu planen …)
 
An diesem Projekt wird erkennbar, was uns am Thema der Ausstellungsgestaltung so fasziniert: Weil darin die Grenzen zwischen angewandter Gestaltung und Kunst fließend sind. Weil hier in einem gegebenen räumlichen Kontext Kunstwerk, kuratorische Themensetzung, Architektur und Grafik unmittelbar aufeinandertreffen und im Idealfall zu einer Einheit werden, die sorgfältig aufeinander abgestimmt ist. Sie bringt alles miteinander in ein Gespräch, das es so zuvor noch nicht gegeben hat – trotz eines in Summe bei dieser Ausstellung recht klassisch gehaltenen, kuratorischen Ausstellungsprogramms. – So tragen Architektur und Grafik zu einem besonderen, realen Ausstellungserlebnis bei, das durch keine digitale Inszenierung zu ersetzen ist.
 
Ein Wermutstropfen: Mit diesem Projekt wurden unser Büro und unsere Architektenkolleg*innen zweifellos zu den größten Einzelspendern des laufenden Ausstellungsjahres. Es sollte dem wichtigsten Museum des Landes in Zukunft deshalb wesentlich mehr daran gelegen sein, Architektur und Grafik finanziell auch so auszustatten und wertzuschätzen, wie es für eine Ausstellung dieser Größenordnung (immerhin handelt es sich dabei auch um die erste große Ausstellung der neuen Direktion unter Peter Assmann) und für dieses wichtigste und größte Museum Westösterreichs selbstverständlich sein sollte.

Kunde

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

Art Direction

Kurt Höretzeder, Thomas Schrott

Team

Sophia Höretzeder, Daniel Egger

Fotografie

Thomas Schrott

Ausstellungsarchitektur

ma.lo architectural office/Eva López, Markus Malin

Projektleitung Kunde/Kurator*innen

Peter Assmann, Johannes Ramharter, Helena Pereña

Realisierungszeitraum

11.2019–06.2020

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»Morgen abend also in Rom. Ich glaube es jetzt noch kaum, und wenn dieser Wunsch erfüllt ist, was soll ich mir nachher wünschen?« Johann Wolfgang von Goethe

Projektbeschreibung

Die Gestaltung der Ausstellung fand in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro ma.lo architectural office statt.

Projektbeschreibung

Zentrales Objekt der Ausstellung ist eine Tapete mit den Texten Goethes, die sich über das gesamte Ober- und Untergeschoss verteilt.

Projektbeschreibung

Die Ausstellung nimmt die Besucher selbst mit auf eine Reise – zuerst noch düster, wird es mit jedem Abschnitt lebendiger, bunter und wärmer.

Projektbeschreibung

Gemälde, Fotografien, künstlerische Arbeiten und Ausstellungsobjekte gehen eine Symbiose mit der Literatur ein, die aber immer Mittelpunkt bleibt.

Projektbeschreibung